Mir wurde wieder eine tolle Geschichte zugespielt welche ich euch nicht vorenthalten möchte: Und es war wieder mal so weit. Ich muss zugeben, dass ich meine Mutter viel zu selten sehe. Mit etwas schlechtem Gewissen und einem Blumenstrauß besuchte ich also die 85-jährige Dame. Und wie immer erzählte sie mir alles was in der Nachbarschaft passiert ist. Geschichten von Menschen, die ich noch gesehen habe. Herr Schmitz hat Rücken bis ins Knie und jetzt hat seine 16-jährige Tochter auch schon den dritten Freund. Der arme Herr Schmitz hat nur Kummer.

Meine Mutter erzählte mir auch vom direkten Nachbarn. Jeden Dienstag steht er immer total nackt im Badezimmer und rasiert sich unten herum. Unmöglich! So etwas hätte es zu ihrer Zeit nicht gegeben. Eines Dienstags klingelte die 97-jährige Nachbarin bei meiner Mutter. Ob meine Mutter auch schon den nackten Mann im Nachbarhaus gesehen hätte. Jaja – unverschämt. Einfach unfassbar. Keinen Anstand kennen die Leute heutzutage.Vom Fenster meiner Mutter hätte man ja einen viel besseren Blick. Ja – stimmt. Also treffen sich jetzt die alten Damen jeden Dienstag am Nachmittag mit Kaffee und Kuchen und beobachten diese Ungeheuerlichkeit. Die Nachbarin hat den Feldstecher von Ihrem verstorbenen Ehemann aus dem Keller geholt. Er war Jäger. Meine Mutter hat noch ein altes Opernglas. Die beiden alten Damen haben überlegt, ob sie in ihrer Rentnerinnengruppe diese unglaubliche Geschichte erzählen sollten. Sie haben sich dann aber dagegen entschieden. Um gemütlich am Fenster sitzen zu können reicht der Platz nur für zwei. Der nachbarliche Unhold ist wohl bekannt. Es ist der Postbote. Warum der Postbote dieses wöchentliche Zeremoniell abhielt, konnte sich keiner der beiden Damen erklären. Ich konnte diese Frage auch nicht beantworten. Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Die beiden alten Damen haben es sich zur Gewohnheit gemacht am nächsten Tag am Briefkasten geduldig auf die Post zu warten. So sieht man die beiden jetzt also jeden Mittwoch geduldig auf Ihren Rollatoren neben dem Briefkasten sitzend. Wenn der Briefträger dann kommt, wird er mit freundlichem, breitem Lächeln begrüßt. Er bekommt ein „Daumen hoch“ und jede der Damen steckt ihm einen 5-Euro-Schein in jeweils eine seiner Hosentaschen. Der Briefträger ist verblüfft, weil er immer Mittwochs solche Freundlichkeiten von den beiden alten Damen erfährt auch wenn er keine Post für sie dabei hat.

Wie jedes mal, wenn ich meine Mutter besuche, habe ich ihr angeboten den Umzug in eine behindertengerechte Wohnung zu organisieren. Vergeblich. Die Wohnung ist mit all ihren Stufen und der Wendeltreppe ja nur noch teilweise bewohnbar. Vor allen Dingen kommt sie nicht mehr in die Badewanne und eine Dusche gibt es nicht. Und die Ofenheizung ist doch für meine alte Mutter eine Zumutung. Dass es mir ja nicht einfallen sollte, sie hier zu vertreiben meinte meine Mutter. Dies sei die schönste Wohnung die sie jemals hatte, sagte sie mir mit verträumten Blick.

Ein Kommentar

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    Almanca Ceviri

    🙂 Der Postbote solle lieber nicht wissen, dass er Stammfans hat, nachher kommt er auf die Idee, den Job zu schmeißen und dann nur noch im Baden verbleiben:))

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